Ein besonderes Ereignis durften die Zehntklässler der Uhland-Realschule vergangenen Freitag erleben. Im Rahmen ihrer Lesereise machten die jüdische Autorin Ruth Weiss, zusammen mit ihrem Begleiter und Lektor Lutz Kliche, Station in Aalen. Gemeinsam mit dem Förderverein ist es der Schule gelungen, die 93-Jährige Autorin an die URS zu holen. Sie erzählte den Schülerinnen und Schülern aus ihrem bewegten Leben und gab vor allem interessante Einblicke in ihren Roman „Meine Schwester Sara“.

„Ich freue mich immer, so vielen jungen Menschen gegenüber zu sitzen“, sagt Ruth Weiss, sichtlich erfreut darüber, dass ihr Roman „Meine Schwester Sara“ in diesem Jahr zum wiederholten Mal nach 2007 als Prüfungslektüre für die Realschulabschlussprüfung in Baden-Württemberg auserwählt wurde. Die Begrüßung und Moderation der knapp zweistündigen Veranstaltung übernehmen zwei Zehntklässler, was Ruth Weiss besonders freut und was sie hervorhebt, bevor sie mit ihren Erzählungen beginnt. Die Aula der Schule ist gut gefüllt und die Schülerinnen und Schüler hören gebannt den Ausführungen der Autorin zu.

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Ruth Weiss ist Zeitzeugin der Judenverfolgung im Nazi-Deutschland, hat Synagogen und Bücher brennen sehen. Sie wuchs in einer jüdischen Familie in Fürth auf, floh 1936 mit ihrer Familie in einem Frachtschiff von Hamburg aus ins südliche Afrika und erlebte dort erneut Rassentrennung, Gewalt und Verfolgung. Sie beschreibt wichtige Ereignisse ihres Lebens sehr ausführlich und detailliert und fehlt der betagten Autorin mal ein Wort, so hilft ihr Lutz Kliche auf die Sprünge. Er ist es auch, der den Zuhörern auf der Landkarte zeigt, welchen Weg das Frachtschiff durch den Atlantik nahm und wie sich die Völkerwanderungen durch das südliche Afrika darstellten. Auch übernimmt Kliche das Vorlesen einiger Textpassagen aus Weiss‘ Autobiografie, wenn sie ihn dazu auffordert.

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Nach den Ausführungen von Ruth Weiss und Lutz Kliche sind die Schülerinnen und Schüler an der Reihe und dürfen der Autorin ihre Fragen stellen, die sie vorher im Unterricht vorbereitet haben. Eine Schülerin möchte wissen, warum sie denn überhaupt Autorin geworden sei. „Ich habe schon immer gern geschrieben“, sagt die ehemalige Journalistin, „und im Ruhestand habe ich schließlich angefangen Romane zu schreiben.“ Mit irgendetwas müsse man sich ja im Alter beschäftigen, fügt sie mit einem sympathischen Lächeln hinzu.

Ob sie denn Ereignisse aus dem Buch persönlich erlebt habe, möchte ein anderer Schüler wissen? „Einige“, sagt Ruth Weiss und nennt beispielhaft das Zusammentreffen mit Nelson Mandela, den sie wie Sara im Buch persönlich kennen und schätzen gelernt habe. Ganz konkret zum Inhalt des Buches möchten die Zehntklässler wissen, ob es wirklich die Absicht von Pa gewesen war, Sara vom Boot zu werfen. „Das kann ich nicht genau beantworten“, sagt die Autorin, „die Figuren in einem Buch entwickeln auch oftmals ein Eigenleben und es ist die Aufgabe des Lesers, Fragen, die aufkommen, zu beantworten.“ Dennoch gibt sie den Schülerinnen und Schülern noch eine konkrete Antwort auf die Frage. „Aber ich denke ja, es war Absicht.“

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Nach zahlreichen weiteren Fragen, Buchsignierungen und Fotos sind fast zwei Stunden vorüber, die für alle Beteiligten sehr interessant, informativ und kurzweilig waren, und Weiss und Kliche treten ihre Weiterreise an.

Text: Felix Eckardt, RL

Bilder: Corina Reiber, RL‘in